29kompakt November 2019 Die Tarifverhandlung für die chemische Industrie in Hessen am 1 Oktober in Wiesbaden ist ohne eine Annäherung von IG BCE und Arbeitgebern zu Ende gegangen Während die Arbeitnehmerseite detailliert darlegte warum die Forderung der IG BCE gerechtfertigt ist be harrten die Arbeitgeber darauf die Branche befände sich in einer Rezession Schwierige Zeiten erfordern strategisches Denken Doch dazu sind die Chemie Arbeit geber offensichtlich nicht in der Lage fasste Landesbezirks leiter und Verhandlungsführer Volker Weber zusammen Erst mals seit Jahren ging die Ge werkschaft ohne konkrete Pro zentforderung in die Gespräche forderte aber eine reale Lohn erhöhung und ein sogenann tes Zukunftspaket um die Branche krisenfester zu machen und die steigende Belastung der Beschäftigten aufzufangen Wir fordern die Einrich tung eines Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1000 Euro für alle Beschäftigten und Auszubildenden sagte Volker Weber Das bringt Flexibilität und kann zum Beispiel für Zeitentlastungen in besonde ren Lebensphasen wie Kinder erziehung oder Pflege von Angehörigen genutzt werden Zusammen mit einer Qualifi zierungsoffensive zur Beglei tung des digitalen Wandels und einer tariflichen Pflegezu satzversicherung stärkt das die Betriebe und Belegschaften Es macht sie krisenfester Dass die wirtschaftliche Situ ation der Chemie Industrie in Hessen weit besser ist als von den Arbeitgebern behauptet zeigte der stellvertretende Lan desbezirksleiter Osman Ulusoy anhand der wirtschaftlichen Zahlen Die Wirtschaft ist in Deutschland gut gestartet die Binnenkonjunktur entwickelt Streit um Zukunft der Chemie WIESBADEN Tarifverhandlung für Hessen IG BCE Verhandlungsführer kritisiert Kurzsichtigkeit der Arbeitgeber Ralf Sikorski Peter Schuld Osman Ulusoy und Volker Weber von links sich dynamisch sagte er und verwies auf eine gute Kapazi tätsauslastung der Anlagen so wie Umsatzsteigerungen bei bedeutenden Unternehmen der Branche wie Stada und Clari ant Im Anschluss legten Be schäftigtenvertreter verschiede ner Unternehmen dar warum sie die Forderung nach einem Zukunftspaket unterstützen Enttäuscht ist Volker Weber von der Reaktion der Arbeit geber Das grenzt an Totalver weigerung Statt sich mit uns gemeinsam auf die digitale globalisierte Zukunft vorzu bereiten rechnen sich die Ar beitgeber trotz Milliarden gewinnen mal wieder arm und drohen mit einem Ein stellungsstop Das ist ebenso unglaubwürdig wie unklug jammerten doch dieselben Unternehmen vor wenigen Wochen noch über den angeb lichen Fachkräftemangel Die Verhandlungen werden nun auf Bundesebene weiterge führt Wolfgang Lenders Fo to W ol fg an g Le nd er s Das Zukunftskonto hilft uns Beschäftigten unse re individuellen Bedürf nisse besser mit der Ar beitswelt in Einklang zu bringen Es geht darum Auszeiten nehmen zu können wenn sie ge braucht werden Dafür benötigen wir Lang Zeit konten die bereits wäh rend des Erwerbslebens entleert werden können Sascha Held Merck Die Arbeitgeber wissen nicht was sie wollen Um die Industrie für die Zu kunft fit zu machen ist es nötig Themen wie das Zukunftskonto und die Qualifizierungsoffensive gemeinsam voranzubrin gen Damit können wir die chemische Industrie attraktiver machen besonders für Azubis und junge Fachkräfte Vanessa Tsovanyan Sanofi Aventis Ich finde es fahrlässig in der derzeitigen Situa tion von Rezession zu sprechen Merck etwa hat seinen Umsatz im zweiten Quartal erhöht und bleibt optimistisch für das Gesamtjahr Die Beschäftigten haben eine ordentliche Erhöh ung der Entgelte und Auszubildendenvergütun gen verdient Michael Fletterich Merck Wir brauchen eine gute Lohnrunde mit guten zu sätzlichen Ideen Statis tisch gesehen werden 38 Prozent unserer Be schäftigten im Laufe ihres Lebens zum Pflegefall jede zweite Frau und jeder dritte Mann werden be troffen sein Deshalb for dern wir die Einführung einer tariflichen Pflege zusatzversicherung Kai Uwe Hemmerich Clariant Fo to M ar ku s Fe ge r Fo to E va S pe it h Fo to M ic ha el R in ne r Fo to W ol fg an g Le nd er s

Vorschau IG BCE Kompakt 11/2019 Seite 33
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