35kompakt September 2019 ziehenden Innovationstempos tragen einmal erworbene Qualifikationen längst kein ganzes Berufsleben mehr Höchste Zeit dass das von zahllosen Arbeitswis senschaftlern viel beschworene Ideal vom lebenslangen Lernen endlich be triebliche Realität wird Nicht als frei williges Extra das vom Gutdünken des Arbeitgebers abhängig ist sondern als verbindlich geregelter Teil des Berufs lebens der gemeinsam auf Augenhöhe und so praxisgerecht wie möglich von Arbeitgebern Betriebsräten und Vertrau ensleuten gestaltet werden muss und natürlich von den Beschäftigten selbst Wer mitgestalten will muss allerdings wissen wohin die Reise geht Diesbezüg lich besteht deutlich Luft nach oben Gut 56 Prozent der Beschäftigten haben keine Vorstellung welchen Kurs ihr Unternehmen in Sachen Digitalisierung einschlagen will und wie sich diese Maßnahmen auf ihre Arbeit auswirken könnten Dabei sind das Interesse am digitalen Wandel sowie die Bereitschaft entsprechende berufliche Kompetenzen zu erwerben stark Immerhin 37 Pro zent der Befragten die an Weiterbildun gen teilnehmen tun dies weil durch die Digitalisierung neue Anforderungen an ihre Tätigkeit gestellt werden und 44 Prozent weil sie sich auch aus per sönlichem Interesse gern mit dem The ma beschäftigen Bedenklich ist allerdings dass die Un ternehmen diese hohe Motivation kaum aufgreifen Nur 25 Prozent der Teilneh mer am Monitor Digitalisierung erhal ten in ihren Betrieben überhaupt Gelegen heit sich systematisch fortzubilden Was zeigt Das brennende Thema Weiterquali fizierung muss weniger den Beschäftigten schmackhaft gemacht werden sondern vor allem den Arbeitgebern Einen Schritt in die richtige Richtung geht die kürzlich von Bunderegierung Arbeitgebern und Gewerkschaften vor gestellte nationale Weiterbildungsstrate gie die Beschäftigten den Zugang zu Weiterqualifizierung erleichtern will etwa indem sie die Verantwortung der Sozialpartner für eine nachhaltige Um setzung entsprechender Maßnahmen im Betrieb stärkt Dass Betriebsräten und Vertrauensleuten dabei allerdings kein volles Mitspracherecht eingeräumt wird schwächt die Perspektive der Praktiker in den Betrieben derjenigen also die an besten beurteilen können welche Kompetenzen sie brauchen um ihren Job auch zukünftig gut ma chen zu können Um einer willkür lichen oder ineffektiven Handhabe vorzubeugen wollen wir das Thema Qualifizierung im digi talen Wandel deshalb auf ein verlässliches tarif liches Fundament heben kündigt der stellvertre tende IG BCE Vorsitzen de und Tarifvorstand Ralf Sikorski in Hinblick auf die bevorstehende Che mie Tarifrunde an Wir sind zuversichtlich dass unsere Qualifizierungs offensive über die che mische Industrie hinaus im nächsten Schritt auch als Blaupause für all un sere Branchen dienen kann sagt Sikorski Auch Johannes Waldmann Betriebs ratsvorsitzender beim Förderbänderspe zialisten Forbo Siegling hofft dass beim Thema Weiterqualifizierung endlich Nä gel mit Köpfen gemacht werden Wir haben eigentlich eine sehr gute frei willige Betriebsvereinbarung zur Weiter bildung der Betriebsrat ist gleichberech tigt in die Maßnahmenplanung einge bunden und die Geschäftsführung steht voll dahinter Dennoch hakt es bei der praktischen Umsetzung berichtet Waldmann Problematisch sei vor allem die Frage wie sich die Qualifizierungsbedarfs analyse und die sich anschließenden Prozesse reibungslos organisieren las sen Vor allem die Abteilungsleiter fürchten dass der Aufwand wegen feh lender Ressourcen kaum zu bewältigen ist So lange diese Befürchtung das berechtigte Interesse an angemessener Qua lifikation überwiegt so Waldmann würden viele Weiterbildungsmaßnah men nicht oder nur un zureichend umgesetzt So kommt über eine kurzfristige Sicherung der Arbeitsabläufe leider die langfristige Sicherung beruflicher Kompeten zen zu kurz und damit ein gutes Stück Zukunfts fähigkeit nicht nur der Kollegen sondern des Unternehmens insge samt bemängelt Wald mann Was Waldmann sich wünscht ist nicht nur mehr Verbindlichkeit sondern auch mehr Transparenz beim Thema Weiterbildung Bei Qualifika tionsbedarf müssten entsprechende Maßnahmen auch erfolgen und auf ihre Wirksamkeit und Kosten hin analy siert werden Denn Ohne systemati sches Controlling keine Qualität ist Waldmann überzeugt Daniel Behrendt JOHANNES WALDMANN Betriebsratsvorsitzender Forbo Siegling Oft stechen kurzfristige betriebliche Interessen die langfristige Sicherung beruflicher Kompetenzen aus Q ue lle S ti ft un g A rb ei t un d U m w el t

Vorschau IG BCE Kompakt 9/2019 Seite 53
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