29kompakt Juli August 2019 Nach 120 Jahren Aus für Sprengstoffproduktion HALTERN AM SEE Traditionsunternehmen Maxam schließt seinen Standort in Sythen Das Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus hat sei ne Kreise gezogen Nach 120 Jahren ist im vergangenen Jahr auch die Geschichte der Sprengstoffproduktion für den Steinkohlenbergbau in Deutschland zu Ende ge gangen Die Maxam Deutsch land GmbH ehemals Wasag mit Muttersitz in Spanien hat ihr Werk auf dem ehemaligen Wasag Gelände in Sythen bei Haltern am See geschlossen In der Fabrik wurde aus schließlich spezieller Spreng stoff für den deutschen Stein kohlenbergbau produziert Bis zuletzt waren an dem 209 Hektar großen Produktions standort noch 16 Mitarbeiter beschäftigt Der Beschluss zum Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus hat eben nicht nur die Beschäftigten aus der Steinkohle getroffen sondern natürlich auch Be triebe aus der Zulieferindus trie in die Knie gezwungen erklärt Gewerkschaftssekretär Michael Bartz vom IG BCE Bezirk Recklinghausen Den letzten Sprengstoff für den Steinkohlenbergbau hat Maxam im Sommer 2018 pro duziert Seitdem haben sich die wenigen verbliebenen Be schäftigten um den Rückbau gekümmert die Werksanlagen demontiert und nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz stillgelegt Im Mai dieses Jah res hat der letzte Sprengstoff Transporter das Gelände von Maxam verlassen Damit sind nun sämtliche Sprengstoff bunker ausgeräumt Ein anhaltendes Problem bleiben die Altlasten Das durch Produktionsrückstän de aus dem Ersten Weltkrieg vergiftete Grundwasser wird auch den Kreis Recklinghau sen als neuen Besitzer des Ge ländes auf Jahre beschäftigen Wie das Gelände darüber hi naus in Zukunft genutzt wer den könnte ist noch nicht entschieden Das sei Sache der Politik sagt Norbert Flossbach Als Betriebsrats vorsitzender hat er sich für die Rechte der Beschäftigten eingesetzt Der gelernte Che mielaborant gehörte zu den verbliebenen Beschäftigten und war mehr als 39 Jahre im Betrieb tätig Wir haben hier bis zuletzt alles gegeben und gehen nun erhobenen Haup tes Das Ende ist traurig und hinterlässt ganz klar Spuren Das Gelände mit all den Pro duktions und Verwaltungsge bäuden erinnert noch heute an Zeiten in denen der Bergbau samt Zulieferindustrie zu den Motoren der deutschen Wirt schaft gehörte Viele der ehe maligen Beschäftigten haben in der dritten Generation in dem Werk gearbeitet und den ken an die frühere Wasag mit Stolz und Anerkennung Die Gehälter und Sondervergünsti gungen wie ein kostenloser Fahrdienst für die Kinder und Frauen der Beschäftigten zu den weiterführenden Schulen sowie zum Einkaufen in der Umgebung wurden beneidet Damals haben die Leute zu dir aufgesehen wenn du er zählt hast dass du bei der Wasag arbeitest erinnert sich Werner Wiegmann Der 61 Jährige gehörte ebenfalls zu den Beschäftigten die sich um die letzten Aufräumarbeiten kümmerten Gewerkschaftlich waren wir bei Maxam und früher auch bei Wasag in Sythen immer gut organisiert Die Zusammenarbeit von Be triebsrat und Gewerkschaft hat nicht nur nach außen hin gut funktioniert sagt Michael Bartz Es ist schade und sehr bedauerlich dass die Geschichte hier nun zu Ende geht Fo to s 3 Fr an k R og ne r Technische Anlagen wie die Sprengstoffprüfstrecke wurden in den vergangenen Monaten abgebaut oben Bis zum Ende mit Herzblut dabei Werner Wiegmann Norbert Flossbach und Norbert Offermann unten links von links In Deutschland nicht mehr gefragt Spezial Sprengstoffe für den Steinkohlenbergbau unten rechts

Vorschau IG BCE Kompakt 7-8/2019 Seite 43
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