33kompakt Juni 2019 siert fertigt zum Beispiel Deoroller und sprüher Und Wiegand Glas stellt Getränke und Lebensmittelverpackun gen her Insgesamt produziert das Unter nehmen an seinen vier Standorten täg lich mehr als 8 Millionen Glasbehälter Für die Unternehmensgruppe arbeiten etwa 1950 Menschen im Jahr 2018 er wirtschafteten sie einen Umsatz von 486 Millionen Euro Insgesamt machte die Behälterglasindustrie in Deutschland im Jahr 2017 laut Bundesverband Glas einen Umsatz von etwa 1 9 Milliarden Euro Es gab 31 Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern Insgesamt arbeiteten dort mehr als 9000 Menschen DIE HAUPT ENERGIETRÄGER für die Glasindustrie sind Erdgas und Strom So heizt beispielsweise Wiegand Glas seine Wannen fast ausschließlich mit Gas während Heinz Glas nur auf Elektro Wannen setzt Laut Geschäftsführer Nikolaus Wiegand braucht das Unter nehmen an seinen Standorten etwa 1 2 Terrawattstunden Gas und über 300 Gi gawattstunden Strom pro Jahr außer dem noch etwas schweres Heizöl Ein Weg die Umweltbelastung so ge ring wie möglich zu halten ist Energie sparen So werden zum Beispiel bei Wiegand Glas die Rohstoffe mit der Ab wärme erhitzt bevor sie eingeschmolzen werden außerdem wird die Verbren nungsluft vorgewärmt Bereits in den 1980er Jahren hat das Unternehmen zu sammen mit einem Schmelzofenbauer einen speziellen Ofen entwickelt der besonders wenig Energie braucht und gute Abgaswerte hat Ein weiteres Beispiel für Ressourcen schonung ist die Nutzung von Altglas Damit lassen sich Rohstoffe und rund ein Viertel der zum Schmelzen einge setzten Energie sparen So gelang es bei Wiegand Glas in diesem Jahr eine der Wannen zur Produktion von grünem Glas mit 97 5 Prozent Altglas zu fahren Eine Glaswanne ist immer in Betrieb Wir brauchen eine verlässliche Strom versorgung sagt dazu Reiner Löffler Betriebsratsvorsitzender bei Heinz Glas Wir haben zwar Notstromaggregate aber bei einem längeren Ausfall entsteht großer Schaden an den Glasschmelz wannen und dann verlieren wir alle unsere Arbeitsplätze Als es am 4 No vember 2006 zu einem der größten Stromausfälle der vergangenen Jahr zehnte in Europa kam waren auch die Glashütten am Rennsteig betroffen Die Produktion stand still mit viel Aufwand gelang es den Beschäftigten die Wannen vor größerem Schaden zu bewahren Da mit derartige Situationen erst gar nicht auftreten fordern die Glashersteller von der Politik den weit hinter dem Soll lie genden Netzausbau massiv voranzutrei ben Löffler Natürlich sehen Stromlei tungen nicht schön aus Aber wir brauchen sie DIE GLASHÜTTEN zahlen zum Teil nur eine reduzierte EEG Umlage Doch der Teufel steckt im Detail Ich verbinde mit der Energiewende Ärger und Bürokra tie sagt etwa Nikolaus Wiegand Das verbraucht sehr viel Kapazität bei uns Die Reduzierung der EEG Umlage ist nach Berichten aus den Unternehmen mit einem riesigen Verwaltungsaufwand verbunden Selbst ein Kaffeeautomat der in der Werkhalle steht und von einem Fremdunternehmen betreut wird kann da zum Problem werden Sein Ver brauch muss mit einem geeichten Zähler Bei der Produktion von Glasprodukten wird viel Energie benötigt Der Transfor mationsprozess wird daher aufmerksam verfolgt denn der Ausgang entscheidet über die Existenz der Betriebe Am Rennsteig sind die Glashütten die weitaus wichtigsten industriellen Arbeitgeber auf weiter Flur erfasst und aus dem in der Produktion verbrauchten Strom herausgerechnet werden Als sich die ersten Glasmacher vor mehreren hundert Jahren am Rennsteig ansiedelten lieferte der Wald das Brenn holz für die Schmelzöfen Was damals ein Standortvorteil war ist heute ein Nachteil Ein Problem sind die Netz entgelte Unabhängig davon woher der Strom wirklich kommt werden sie für die energieintensiven Industrien auf Basis des physikalischen Pfads zum nächsten Grundlast Kraftwerk berech net und das ist recht weit weg Die Betriebe in der Nähe der Kraftwerke ha ben niedrigere Kosten sagt Werner Fehn Das sind keine fairen Wettbe werbsbedingungen Um ihren Forderungen an die Politik Nachdruck zu verleihen haben die Ak teure die Tettauer Erklärung der Glas industrie aufgestellt Unterzeichner sind Vertreter der drei Unternehmen der IG BCE des Bundesverbands Glas des Bundesarbeitgeberverbands Glas und Solar und der Landrat des Landkreises Kronach Es muss bei der Bundesregie rung ankommen dass sie dabei ist einen Standort zu zerstören sagt Daniel Raab Betriebsratsvorsitzender bei Gerresheimer in Tettau Wenn sie keine Arbeit mehr haben werden die Leute nicht mehr hier im oberen Fran kenwald wohnen können Dann bringt uns auch die wunderschöne Umwelt in der Region nichts mehr Wolfgang Lenders

Vorschau IG BCE Kompakt 6/2019 Seite 47
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