kompakt April 201924 VOR ORT AKTUELLES Im Zuge ihres Zusammen schlusses zum größten un abhängigen Gas und Öl produzenten Europas planen die Unternehmen Wintershall und DEA einen drastischen Stellenabbau Mehr als 800 der bundesweit 2000 Arbeitsplät ze beider Fusionspartner sol len abgebaut werden ein für die IG BCE ebenso überzoge nes wie unrealistisches Unter fangen In ihrem Ehrgeiz das neue Unternehmen hübsch für den Börsengang zu ma chen sind die Vorstände um Längen übers Ziel hinaus geschossen sagte Michael Winkler der für die IG BCE im Aufsichtsrat der Wintershall sitzt Das können und werden wir uns nicht gefallen lassen Hinzu kommt dass der Stel lenabbau binnen 18 Monaten zwischen dem Vollzug der Fusion und dem geplanten Börsengang des neuen Win tershall DEA Konzerns von stattengehen soll Ohne be triebsbedingte Kündigungen wäre das nicht machbar warn ten die Arbeitnehmervertreter Diese sind jedoch durch eine vereinbarte Beschäftigungs sicherung bis Ende Juni 2020 ausgeschlossen Gleichzeitig gab es eine Zusicherung des Arbeitgebers eine solche Ga rantie auch über den Zeitraum hinaus wirken zu lassen Das Management wird die über Jahr zehnte gepflegte Sozialpartner schaft in beiden Unternehmen nicht einfach über Bord werfen kön nen so Tarif recht Experte Winkler Nach den Un ternehmensplä nen sind alle deut schen Standorte von den Abbau plänen betroffen besonders stark sollen die Ein schnitte jedoch an den Verwal tungsstandorten in Kassel Hamburg und Barnstorf in Niedersachsen ausfallen Der Standort Wietze Wiege der deutschen Erdölindustrie soll sogar komplett geschlos sen werden Mehr als 1200 Beschäftigte der beiden Öl und Gasprodu zenten protestierten wenige Tage nach Verkündung der Pläne bundesweit gegen den rigiden Personalabbau Unter dem Motto Es ist 5 vor 12 zogen sie vor die Tore ihrer Verwaltungen Labore und Förderstandorte und machten ihrem Ärger Luft Auf Spruch bändern forderten sie Unter nehmen mit Zukunft Nur mit uns oder Denkt dran Keine Fo to M ar ti n B ri nc km an n Fo to C ar st en H er w ig Fo to I G B C E Pläne für Kahlschlag bei Ölfusion KASSEL HAMBURG Entschlossener Widerstand der Belegschaften gegen Vorgehen von Wintershall und DEA betriebsbedingten Kündigun gen Die größten Veranstal tungen fanden in Hamburg und Kassel statt den beiden Firmenzentralen von DEA und Wintershall wo sich jeweils gut 400 Beschäftigte zu einer Aktion zur Mittagspause zu sammenfanden In Kassel bil deten die Teilnehmer eine Menschenkette rund um die Hauptverwaltung Der Gesamtbetriebsratsvor sitzende der DEA Günther Prien sieht die Zukunftsfähig keit des neuen Unternehmens in Gefahr Ohne unsere quali fizierte und erfahrene Beleg schaft ist das anspruchsvolle Wachstumskonzept nicht um zusetzen Die Belegschafts vertreter forderten zudem den Erhalt des Standorts Wietze In Kassel kündigte die Ge samtbetriebsratsvorsitzende Birgit Böl eine kritische Aus einandersetzung mit den Fu sionskonzepten der Unterneh men an Wir lassen uns unsere Arbeitsplätze nicht ein fach wegrechnen Die Arbeitnehmervertreter unterstützen generell die Schaf fung eines nationalen Cham pions rund um die Gas und Ölforderung Auch ist allen Be teiligten klar dass es vor dem Hintergrund des langfristigen Rückgangs der Fördermengen unvermeidbar ist Synergien zu heben und Überschneidungen in den Geschäftsbereichen ab zubauen Die aktuellen Pläne jedoch sprengten jeden Rah men Sie belasteten nicht nur die Integration der beiden Un ternehmen sondern auch die eigentliche Idee einen europäi schen Marktführer in diesem Segment zu formen Sowohl die absolute Zahl als auch der Zeitraum des Abbaus gehörten noch einmal auf den Verhand lungstisch forderte Winkler Oberstes Ziel muss eine so zialverträgliche Lösung sein Lars Ruzic Die Beschäftigten der Mittelplate setzten ein deutlich sichtbares Zeichen In Hamburg protestierten gut 400 Mitarbeiter Fast ebenso viele demonstrierten in Kassel

Vorschau IG BCE Kompakt 4/2019 Seite 24
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