33kompakt März 2019 abteilungen Die Kolleginnen und Kollegen müssen derzeit jede Menge Vorarbeit leisten berichtet die Gesamt betriebsratsvorsitzende Das Problem Ein harter Brexit wür de Chemie und Pharmabranche beson ders treffen Sie hätten nicht nur mit Logistik oder Zollproblemen zu kämp fen weil die Briten dann nicht mehr Teil des Binnenmarkts sind Sie müssten mit unter auch lange eingeführte Chemikali en und Rezepturen neu zulassen Bei spielsweise dürften dann chemische Stoffe die im Vereinigten Königreich für den Vertrieb in der EU registriert wur den auf dem europäischen Festland nicht einfach weiterverkauft werden Der Verband forschender Arzneimittelher steller warnt schon vor einem Stresstest für das Gesundheitssystem Die Unruhe in der Branche ist auch deshalb so groß weil die EU Aufsicht und Prüfung von Medikamenten ihren Sitz bislang in London hatte Die Euro päische Arzneimittel Agentur EMA sie delt derzeit gerade nach Amsterdam um In der Chemie kommt die EU Verord nung REACH hinzu mit der die Zulas sungen EU weit harmonisiert wurden Der Branchenverband VCI hat die EU Kommission deshalb bereits aufgefor dert so schnell wie möglich spezielle Übergangslösungen für den Industrie zweig mit der größten Wertschöpfung in der EU zu erstellen Die deutsche und die britische Volks wirtschaft sind traditionell eng verwoben Das Königreich ist der viertgrößte Export markt für deutsche Unternehmen Aus fuhren von mehr als 84 Milliarden Euro stehen Importen von mehr als 37 Milliar den Euro gegenüber siehe Grafik Bran chen wie Chemie Pharma oder auch Kau tschuk und Kunststoff allesamt Indus trien der IG BCE sorgen sich um einen ihrer wichtigsten Märkte Sie alle stellen auch wichtige Spieler in der automobilen Wertschöpfungskette Je des fünfte in Großbritannien verbaute Au toteil stammt aus deutscher Produktion das Land ist für die heimischen Zulieferer der größte Absatzmarkt in der EU Eine Studie der Berater von Deloitte sagt deut schen Zulieferern im Fall eines harten Bre xits einen Umsatzeinbruch von einem Viertel voraus und sieht hierzulande 14 000 Jobs in der Branche in Gefahr FÜR DIE BRITEN sehen die Prognosen weitaus düsterer aus Dort hat der Bran chenverband der Autobauer bereits Alarmstufe Rot ausgerufen Schon jetzt sei enormer Schaden bei Produktion In vestitionen und Arbeitsplätzen angerichtet worden Eine britische Airline hat wegen des Brexits Insolvenz beantragt Ihr seien aufgrund der andauernden Unsicherheit wertvolle Verträge entgangen Der EU Ausstieg der Briten treibt offen bar auch viele Verlagerungspläne an Nach einer Umfrage des Deutschen In dustrie und Handelskammertages er wägt aktuell jedes achte deutsche Unter nehmen mit Geschäften im Vereinigten Königreich seine Investitionen auf ande re Märkte zu verlagern größtenteils nach Deutschland und in andere EU Länder Anfang 2018 hatte nur jeder Q ue lle S ta ti st is ch es B un de sa m t G ra fi k IG B C E Alarmstufe Rot Der Austritt der Briten aus der EU treibt die Exportwirtschaft um zwölfte Betrieb von entsprechenden Vor haben berichtet Im Chemie und Pharma bereich gibt es diesen Aderlass schon län ger Sanofi beispielsweise schließt seit Jah ren Werke auf der Insel nicht erst seit dem Brexit Eine Produktionsanlage hat der Konzern beispielsweise in Großbritannien ab und in Frankfurt wieder aufgebaut Sowohl die britischen Gewerkschaften als auch die britische Industrie haben stets vor einem harten Brexit gewarnt Umso stärker wird das Kopfschütteln über die Politik je mehr Tage sie ohne Entscheidung vergehen lässt Auch Michael Vassiliadis Vorsitzender der IG BCE und Präsident des europäi schen Industriegewerkschaftsbundes In dustriALL betont dass ein No Deal weder im Interesse der Befürworter noch der Gegner eines Austrittes ist Die Leid tragenden eines ungeregelten Brexits würden in erster Linie die Arbeitnehmer im eigenen Land sein Die politisch Ver antwortlichen trügen die Verantwortung für eine unnötige Schwächung der briti schen Wirtschaft und britischer Arbeits plätze Das ist ein schwerwiegendes Versagen zulasten der Menschen in Großbritannien Lars Ruzic

Vorschau IG BCE Kompakt 3/2019 Seite 49
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