19kompakt März 2019 Piratenschiffe im 16 Jahrhundert sind ein faszinierendes Bei spiel für Organisationen die Vielfalt wirklich verstanden ha ben 200 Jahre bevor die Sklaverei in den USA endete befuh ren sie oft turbulente Meere Die Menschen die zur Crew gehörten engagierten sich für die Reise und waren aufgrund ihrer Fähigkeiten ausgewählt worden nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts Darüber hinaus waren sie so organisiert dass der Kapitän von der Besatzung abgesetzt wer den konnte wenn er sich ihr gegenüber nicht fair verhielt Das Studium von Piratenschiffen wirft eine Frage auf die sich re bellische Führungskräfte anscheinend ständig stellen Bin ich die Art von Kapitän die meine Crew als Anführer wählen wür de Diese Frage hilft Führungskräften bescheiden zu bleiben und zu erkennen dass ihr Schiff ohne eine engagierte Crew nicht so effektiv segeln würde Ebenso würden Rebellenorga nisationen nicht so produktiv und kreativ arbeiten wenn Mit arbeiter und Führungskräfte nicht bereit wären ihr Talent ein zusetzen Fehler sind menschlich Warum fällt es dennoch so schwer Fehler nicht als Stigma sondern als Chance anzusehen Versagen kann eine Flut von schmerzhaften Emotionen auslö sen Verletzung Wut Scham sogar Depression Infolgedessen versuchen die meisten von uns Fehler zu vermeiden wenn sie passieren versuchen wir sie unter den Teppich zu kehren Die se natürliche Tendenz verstärkt sich in Unternehmen deren Führungskräfte oft unbewusst eine Angst vor dem Scheitern institutionalisiert haben Sie strukturieren Projekte so dass keine Zeit oder Geld für Experimente bleibt und sie vergeben Boni und Beförderungen an diejenigen die nach Plan liefern Aber Unternehmen entwickeln keine neuen Fähigkeiten oder gehen angemessene Risiken ein wenn Manager Versagen nicht tolerieren und darauf bestehen dass es diskutiert wird Führungskräfte müssen ständig betonen dass Fehler Anlass zum Lernen und nicht für Beschämung oder Bestrafung sind Und sie müssen so handeln dass diese Botschaft verstärkt wird Viele Organisationen führen nicht gern Konflikte und sich nicht konform verhaltende Mitarbeiter werden oftmals als Störung empfunden Sie haben dazu eine ganz andere Einstellung richtig Ja Konflikte oder das was ich konstruktive Meinungsver schiedenheiten nenne sollten gefördert werden Als Menschen konzentrieren wir uns oft nur auf eine Perspektive und im All gemeinen ist es unsere eigene Ob im Gespräch oder in Mee tings wir suchen oft eine Meinung die unserer ähnelt Was Rebellen tun ist diesen Instinkt zu bekämpfen Sie finden Wege einen Konflikt zu lenken oder Meinungsverschieden heiten zu fördern Indem wir mehr konstruktive Meinungsver schiedenheiten zulassen können wir sicherstellen dass wir nicht nur von unseren eigenen sondern auch von den Per spektiven anderer profitieren Die Qualität der von uns getrof fenen Entscheidungen wird sich verbessern Dirk Kirchberg ZUR PERSON Francesca Gino 40 ist Professorin an der Harvard Business School in Boston USA leitet die Fakultät Verhandlung Organisationen Märkte Sie forscht zu Organisationspsychologie sowie zu menschlichen Urteils und Entscheidungs prozessen Verhandlungs strategien Motivation Produktivität und Kreativität Fo to s H ar va rd B us in es s S ch oo l

Vorschau IG BCE Kompakt 3/2019 Seite 19
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