Fo to iS to ck ph ot o vi su al sp ac e 39kompakt Februar 2019 ES GIBT AUCH AUSNAHMEN Allerdings gebe es Gründe die das Gleich behandlungsgesetz relativieren Voigt Dass Beschäftigte wegen ihres Alters un terschiedlich behandelt werden heißt nicht immer dass eine unzulässige Dis kriminierung vorliegt Zulässig sei das nach Paragraf 10 wenn das objektiv und angemessen und durch ein legi times Ziel gerechtfertigt ist erklärt der Rechtsexperte EIN BEISPIEL aus der Arbeitswelt bei dem es um einen Interessenausgleich geht Ein Betrieb hat einen wichtigen Kunden verloren oder eine neue Maschine ange schafft ein Teil der Belegschaft muss ent lassen werden Ein rentennaher 63 Jähri ger der zwei Jahre Anspruch auf Arbeits losengeld hat könnte dann obgleich er von den Sozialdaten her schutzwürdiger ist eher entlassen werden als ein 52 Jäh riger der schlechte Chancen auf dem Ar beitsmarkt hat erklärt der Rechtsanwalt Auch beim Thema Abfindung wird oft versucht einen sozialen Ausgleich zu schaffen So erhalte der Arbeitnehmer der bald in Rente geht weniger Abfindung als sein jüngerer Kollege Ein sensibles Thema weiß Voigt Er rät deshalb in Sachen Benachteiligung den Betriebsrat zu kontaktieren oder sich gewerkschaftliche Unterstützung zu holen So muss sich niemand gleich outen der sich diskriminiert fühlt AUCH JÜNGERE BETROFFEN Diskriminierung ist nicht nur ein Prob lem der Älteren Auch Jüngere können wegen ihres Alters benachteiligt werden Sie bekommen oft weniger Geld und Ur laub Außerdem gehören sie oft zu den Ersten die bei einer Kündigungswelle gehen müssen Für die Jüngeren habe es bereits 2010 einen wichtigen Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung gegeben Thema die Berechnung der Kündigungsfristen Bis vor Kurzem wurden die Zeiten vor Vollendung des 25 Lebensjahres nicht berücksichtigt nach Paragraf 622 Ab satz 2 Satz 2 BGB Doch der Europäische Gerichtshof wertete das 2010 als Ver stoß gegen das Verbot der Altersdiskrimi nierung Seit 1 Januar 2019 ist es nun auch aus dem deutschen Gesetz ge strichen Voigt Bei der Berechnung der gesetzlichen Kündigungsfristen muss die gesamte Beschäftigungszeit ohne Alterseinschränkung zugrunde gelegt werden Katrin Schreiter EINFACH NICHT MEHR WAHRGENOMMEN Das Thema Benachteiligung stand auch im Fokus von KarisMa ein gemeinsames Projekt von IG BCE Bundesarbeitgeber verband Chemie und Qualifizierungs förderwerk Chemie QFC Für KarisMa das für Karriere 50plus mit Erfahrungen punkten steht wurden knapp 170 Beschäftigte in zwölf Un ternehmen der Chemiebranche befragt Ursprünglich sollte es nur um die Arbeitssituation von Frauen gehen Doch die Probleme die sich ab 50 zeigen betreffen Männer ebenso sagt Dr Barbara Salden vom QFC die das Projekt in der letzten Phase geleitet hat Ältere Arbeitnehmende werden einfach nicht mehr wahrgenommen fasst sie eines der Resultate zusammen Ihre Erfahrungen werden nicht mehr genutzt und teilweise werden sie von der Weiter bildung ausgeschlossen Die Lebensarbeitszeit der Beschäftigten habe sich in den letzten Jahren verlän gert Aber die Unternehmen ignorieren das oft noch kritisiert Salden Dabei wissen sie oft gar nicht welche Ressour cen sie dabei verschwenden

Vorschau IG BCE Kompakt 2/2019 Seite 55
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