35kompakt Februar 2019 entfielen auf Erdgas 14 Prozent kamen aus erneuerbaren Energien Das bedeu tet dass trotz aller Diskussionen um den Übergang hin zu einer emissionsarmen beziehungsweise emissionsfreien Wirt schaft und Gesellschaft Mineralöl nach wie vor ein bedeutender Energieträger ist RUND 60 PROZENT der heimischen Öl produktion fließen derzeit in die Mobili tät in Autos die Seeschifffahrt Luft fahrt und den Schwerlastverkehr Die restlichen 40 Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen auf Brennstoffe für die Wärmeproduktion und Vorprodukte für die chemische Industrie Damit ist der Verkehr in Deutschland einer der größ ten Verbraucher von fossilem Öl und gleichzeitig einer der Hauptverursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen Vor allem letztere gilt es zu minimie ren bis hin zur Treibhausgasneutralität Gerade erst hat die Europäische Union neue verbindliche Kohlendioxid Grenz werte für fabrikneue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge beschlossen Bis zum Jahr 2030 sollen Neuwagen im Flotten durchschnitt noch einmal 37 5 Prozent weniger Kohlendioxid CO2 ausstoßen als nach der drastischen Senkung auf 95 Gramm pro Kilometer im Jahr 2021 Darüber hinaus haben sich die EU Um weltminister erstmals auch auf CO2 Grenzwerte für Lastwagen und Busse geeinigt Bis 2030 soll der CO2 Ausstoß um 30 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken Seit Jahren ringen Politik und Wirt schaft darum wie und unter welchen Bedingungen das kosteneffizient zu POWER TO X Power to X PtX bezeichnet verschiedene Technologien zur Speicherung beziehungs weise anderweitigen Nutzung von erneuerbarem Strom Synthetische Kraft und Brennstoffe Power to Liquids und Power to Gas gehören zu PtX Die PtX können prinzipiell in allen Sektoren eingesetzt werden etwa im Verkehr in der Wärmeversorgung in der Industrie oder der Stromerzeugung Besonders beim Schwerlasttransport über lange Strecken bei der Schifffahrt und bei der Luftfahrt gibt es bislang kaum Alternativen PtX Produkte spielen hier ihre Vorteile bei der Transportierbarkeit und der Energiedichte gegenüber Batterielösungen aus schaffen ist Tatsächlich wird der Treib hausgasrückgang nicht allein mit spar sameren Benzin und Dieselantrieben und mehr Elektroautos zu erreichen sein da sich Schwerlastverkehr sowie die Luft und Schifffahrt nur sehr schwer elektrifizieren lassen Speziell für diese Bereiche braucht es laut dem IG BCE Positionspapier Unser Verkehrssystem nachhaltig gestalten Beschäftigung in Deutschland sichern Alternativen Technologisch stehen diese bereits zur Verfügung mit Wasserstoff und Brenn stoffzellen sowie synthetischen Kraft stoffen sogenannten E Fuels SYNTHETISCHE KRAFTSTOFFE Power to Liquid PtL sind flüssige Energie träger die aus Ökostrom gewonnen wer den können Sie gehören zur Familie der Power to X Produkte siehe Infokasten Mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien wird per Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff gewonnen und dieser mit CO2 in einem komplexen Verfahren zu neuen Kohlenwasserstoffen geformt je nen Molekülen aus denen auch fossile Kraftstoffe bestehen Das Besondere daran wenn dabei das hierfür benötigte CO2 aus Abgasen der Industrie oder aus der Luft gewonnen wird entsteht ein Kraftstoff der beim Verbrennen nur die Menge an CO2 frei setzt die zuvor der Luft entzogen wurde Weitere Vorteile Synthetische Kraftstoffe besitzen eine ähnlich hohe Energiedich te wie fossile Brennstoffe können als Beimischung in herkömmlichen Ver brennungsmotoren genutzt werden sind gut zu lagern und zu transportieren Die nötige Infrastruktur Pipelines Tank stellen und Speichereinrichtungen ist bereits vorhanden Deshalb setzt sich der IG BCE Haupt vorstand in seinem Positionspapier da für ein dass die treibhausgasmindernde Wirkung alternativer Kraftstoffe aner kannt wird und die CO2 Flottenregulie rung nicht ausschließlich durch Elektro mobilität sondern technologieoffen erfolgen muss Auch die Mineralölbranche sucht ver stärkt nach Alternativen zur E Mobilität um nicht auf der Strecke zu bleiben Die Raffinerie Oberrhein hat sich aus dem Grund der Initiative reFuels Kraft stoffe neu denken angeschlossen Das Projekt will erforschen welche Chancen synthetische Kraftstoffe aus nachhal tigen Quellen bieten um die vorgege benen Klimaziele zu erreichen sagt Hauck Initiiert wurde das Forschungs programm vom Karlsruher Institut für Technologie KIT und dem Land Baden Württemberg NOCH SIND SYNTHETISCHE Kraftstof fe aber nicht im industriellen Maßstab einsetzbar zu teuer ist deren Produk tion Damit E Fuels und weitere Kraft stoffe marktfähig werden brauche die Industrie entsprechende Anreize ähn lich denen des EEG für die erneuerbaren Energien heißt es im Positionspapier Die Gewerkschaft setzt sich mit ihren Forderungen für eine Verkehrswende ein die Innovationskraft und Umwelt freundlichkeit der Mobilitätswirtschaft voranbringt ohne die Leistungsfähigkeit und Bezahlbarkeit des Sektors in Gefahr zu bringen Katja Pflüger Die Branche steht vor existenziellen Problemen PETER HAUCK Betriebsratsvorsitzender bei der Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe

Vorschau IG BCE Kompakt 2/2019 Seite 51
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