18 kompakt Januar 2019 INTERVIEW ANDREAS RÖDDER ANDREAS RÖDDER über die neue CDU Vorsitzende Annegret Kramp Karrenbauer ihren Kontrahenten Friedrich Merz das Erbe der Ära Merkel und die Krise der Volksparteien Herr Rödder nach 18 Jahren Angela Merkel ist ein Stabwechsel beim CDU Vorsitz keine Kleinigkeit Annegret Kramp Karrenbauer AKK hat das Rennen knapp gegen Friedrich Merz gemacht War das nicht zu erwarten Nein zumindest für mich war der Ausgang dieses Rennens bis zum Schluss nicht absehbar zumal ich das Gefühl hatte dass Friedrich Merz bei einigen der Regionalkonferenzen im Vorfeld des Hamburger Parteitags größere Begeisterung entfacht hatte Ich will auch nicht verhehlen dass ich für ihn gestimmt hätte Warum Zum einen bringt Merz Weltläufigkeit und Charisma mit Bei des Eigenschaften die ihm in Hinblick auf die K Frage und das Agieren auf der internationalen Bühne sicher Vorteile bräch ten Zum anderen würde die CDU unter einem strategisch star ken und zu klarer Positionierung fähigen Vorsitzenden wie Merz ihr Profil schärfen Und das bis hinein ins konservative auch nationalkonservative Lager Eine solche CDU die sich nicht scheut wieder Wähler rechts der Mitte anzusprechen böte mehr Reibungsfläche und damit die Chance dass sich auch im Mitte links Spektrum wieder profiliertere Positionen herausbilden Merz wäre insofern der größere Gewinn ge wesen für die CDU aber auch für die Parteienlandschaft Wenn Merz denn so viel besser ist Warum hat AKK das Rennen gemacht Sie hat die Seele der Delegierten erreicht Sie hat Teamgeist beschworen immer wieder von wir und der Familie ge sprochen Ihre Botschaft lautete schlicht Ich bin eine von euch Merz wirkt dagegen deutlich weniger nahbar Tatsächlich Ein Millionär der sich selbst der oberen Mittelschicht zuordnet kann nicht unbedingt behaup ten einer von uns zu sein Passt jemand wie Merz überhaupt zur DNA einer Volkspartei Durchaus Lediglich 18 Stimmen machen den Unterschied zwischen AKK und Merz aus Für 48 25 Prozent für knapp die Hälfte der Partei ist Merz eine starke Identifikationsfigur Aber eben auch eine die polarisiert sowohl in der Gesellschaft aber auch in den eigenen Reihen Merz hat glühende An hänger oder vehemente Gegner AKK entfacht derart starke Wirkung nicht Kein Wunder Umfragen zeigen dass Boden ständigkeit und Volkstümlichkeit als für sie wesentliche Eigen schaften wahrgenommen werden Merz hingegen liegt bei Strategiekompetenz und Führungsfähigkeit vorn Wenn Merz ein kraftvollerer mehr Reibung bietender CDU Frontmann wäre hätte sich die SPD sicher mehr über seine Wahl als die von AKK gefreut oder Natürlich Da bin ich ganz bei Altkanzler Gerhard Schröder Ein problematisches Erbe der Ära Merkel ist die tektonische Verschiebung des Parteiensystems Die CDU ist stark in Richtung des rot grünen Mainstreams gerückt Dabei hat sie ihrem immer kleiner werdenden Koalitionspartner die Luft abgeschnürt Zugleich ist eine Repräsentationslücke rechts der Mitte entstanden die nun von der AfD besetzt wird Es ist anzunehmen dass AKK dem von Merkel eingeschliffenen Politik muss zurück zur inhaltlichen Streitkultur Brauchen Volksparteien mehr innerparteiliche Demokratie kompakt Redakteur Daniel Behrendt im Gespräch mit dem Historiker Andreas Rödder

Vorschau IG BCE Kompakt 1/2019 Seite 18
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