kompakt Januar 2019 TITEL DOPPELVERBEITRAGUNG Also ergriff Schulze jede Möglichkeit betrieblich vorzusorgen Sein Unterneh men bot ihm im Laufe der Jahre reich lich Gelegenheit dazu da im Zuge von Konzernumstrukturierungen nach und nach verschiedene Vorsorgeoptionen ins Portfolio aufgenommen wurden Bei Eintritt ins Unternehmen schloss Schulze eine kleine Betriebsrente mit Garantieleistung ab ein Geschenk des Arbeitgebers der den vollen Sparbeitrag zahlte Ein paar Jahre später kam ein Ver trag bei der BASF Pensionskasse dazu noch später der Chemiepensionsfonds mit Entgeltumwandlung Vor allem Letz terer ist eine attraktive Vorsorgeform allein schon weil der Arbeitnehmeran teil wie bei der gesetzlichen Rente direkt vom Brutto abgeht und damit die Steuer und Sozialabgabenlast gemindert wird Zusätzlich schloss Schulze Anfang der Neunzigerjahre über den Arbeitgeber eine Direktversicherung ab Der Spar betrag wurde pauschal mit 20 Prozent besteuert Dafür so stand im Vertrag würden in der Auszahlungsphase weder Steuern noch Sozialabgaben fällig DANK VIERFACHER VORSORGE fühlte sich Schulze bestens abgesichert für einen Ruhestand ohne nennenswerte Einbußen Dann mit dem Renteneintritt vor fünf Jahren kam die böse Über raschung Auf Heller und Pfennig zu sehen welche Abgaben da anfallen hat mich schon geschockt Vor allem dass ich auf den Auszahlungsbetrag der Di rektversicherung entgegen der Vertragszu sage Sozialabgaben entrichten sollte sagt Oskar Schulze 25 49 Euro muss der eins tige Ingenieur monatlich an Sozialabga ben abdrücken und das zehn Jahre lang Insgesamt 3058 80 Euro ein knappes Fünftel des Auszahlungsbetrags Eingebrockt hat Schulze die unge plante finanzielle Belastung das soge nannte Gesundheitsmodernisierungs gesetz das 2004 von der damaligen rot grünen Bundesregierung zur Entlas tung der seinerzeit klammen Kranken kassen eingeführt wurde Seither werden Betriebsrenten doppelt mit Sozialab gaben belastet Das heißt Vor 2004 war auf die ausgezahlte Rente nur der Arbeit nehmeranteil für Kranken und Pflege versicherung zu entrichten seither auch der Arbeitgeberanteil nebst einem Zu satzbeitrag der allein vom Versicherten zu tragen ist Die Abgabenlast auf Be triebsrenten ist so von rund acht Prozent In Zeiten übervoller Krankenkas M E I L E N S T E I N E D E R A L T E R S V O R S O R G E werden mit einer Großen Rentenform der Generationenvertrag und ein Umlageverfahren eingeführt frei nach dem Motto Kinder kriegen die Leute immer Fortan werden die Renten der älteren Generation nicht mehr durch individuell angesparte Rücklagen bezahlt sondern durch die Beiträge der arbeitenden Generation und zu einem Drittel aus der Steuerkasse Die Rente soll nun den gewohnten Lebensstandard sichern Einmal im Jahr werden alle Renten an die Lohnentwicklung angepasst Die Rente ist auf Höhenflug 1957 liegt die Bruttorente des Durch schnittsverdieners bei 240 DM nach 45 Versicherungsjahren 1998 bei 1781 DM Bereits 1916 wurde die Altersgrenze auf 65 Jahre gesenkt Nun wird eine flexible Altersgrenze eingeführt ab 63 nach 35 Versicherungsjahren beschließt der Deutsche Reichstag auf Initiative von Reichs kanzler Otto von Bismarck das Invaliditäts und Altersversiche rungsgesetz Bismarck will nach Jahren der Repression mit selbst verwalteten Sozialversicherungen die Arbeiter besänftigen Die Rente als Schutz vor Altersarmut wird auf lange Sicht eine Erfolgsgeschichte Man startet mit einem Beitragssatz von 1 7 Pro zent des Bruttoentgelts der von Arbeitgebern und Arbeitnehmern je zur Hälfte gezahlt wird 40 Prozent der Rentenausgaben über nimmt die Reichskasse Ein Rentenanspruch besteht aber erst mit 70 Jahren nach 30 Beitragsjahren Für die meisten Arbeiter ist dies ein biblisches Alter das sie nicht erreichen 1891 werden die ersten Invalidenrenten an Versicherte ausgezahlt die dauernd erwerbsunfähig sind 1889 1957 Fo to B er tr am d pa Fo to d pa 14

Vorschau IG BCE Kompakt 1/2019 Seite 14
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