32 kompakt April 2018 TENDENZEN FÖRDERTÜRME Vom Malakow zum Doppelbock SEIT DEM MITTELALTER dringt der Bergbau in immer größere Tiefen oder Teufen wie der Bergmann sagt vor Dies forderte Lösungen um die Ressource an die Oberfläche zu fördern Während anfangs eine schlichte Seilwinde auf einem hölzernen Gerüst über dem Schacht aus reichte wurden mit der Zeit und wach sender Teufe ausgefeiltere Fördergerüste nötig So entstanden im Spätmittelalter die sogenannten Göpel die mittels Umlenk rollen eine vertikale Antriebswelle er möglichen Die vertikale Anordnung er laubt längere Hebel die somit auch eine höhere Hebelwirkung erzielen und da mit schwerere Lasten aus der Tiefe heben können Bis zum Anfang der Industria lisierung drang man so in Teufen von bis zu 350 Metern vor die Göpel wurden dabei von Pferden angetrieben Die Dampfmaschine ermöglichte dann erstmals auf Muskelkraft zur Förderung zu verzichten und gleichzeitig größere Teufen zu erreichen und schwerere Las ten zu bewegen Dampfmaschinen wur den wegen ihres hohen Eigengewichts und den von ihnen ausgehenden Er schütterungen während des Betriebs ge nerell neben dem Schacht aufgestellt Die Hauptwelle befand sich dadurch jedoch außerhalb der Schachtachse weshalb die Förderseile über Seilschei ben umgelenkt werden mussten MASSIV WIE FORT MALAKOW Die extremen Kräfte der riesigen Dampf maschinen und die hohen Förderge schwindigkeiten verlangten nach einem deutlich verstärkten Fördergerüst denn die hölzernen Gerüste hielten den Kräften nicht mehr stand Man ging daher zum Bau von verstärkten steinernen Türmen über Die sogenannten Malakow Türme wurden dem damals üblichen Festungs bau entlehnt Ihren Namen verdanken sie dabei nicht etwa ihrem Erfinder son dern dem Fort Malakow welches in den 1850er Jahren sprichwörtlich für mas sivste Bauweise stand Bis zu drei Meter dickes Ziegelmauerwerk und versteifte Konstruktionen im Innern ermöglichten es die schweren Seilscheiben zu halten und gleichzeitig die Fördersicherheit und die Teuftiefen zu erhöhen Diese mächtigen Wahrzeichen der Industria lisierung wurden bis in die 1970er Jahre aktiv genutzt teilweise mit zusätzlich eingezogenem Stahlfördergerüst Heute gibt es noch 14 erhaltene und unter Denkmalschutz stehende Malakow Türme im Ruhrgebiet sowie vier weitere in der Eifel an der Lahn im Südharz und im östlichen Erzgebirge KOLOSSE AUS STAHL In den 1870er Jahren wurden Stahlkon struktionen möglich die freistehend als Strebengerüst über dem Schacht gebaut wurden In Kombination mit dem Auf kommen von elektrischen Förderma schinen die weniger Erschütterungen verursachen als eine Dampfmaschine konnte um die Jahrhundertwende erst mals eine Fördermaschine auf einem Fördergerüst gebaut werden Während anfangs noch genietete Stahlfachwerkgerüste gebaut wurden er möglichte die Entwicklung der Stahl verarbeitung später Vollwand und Kas tenprofilgerüste Zahlreiche Bauformen entwickelten sich Nach dem Strebenge rüst kamen die Tomson Böcke eine ab gewandelte Form des englischen Bock gerüstes Kennzeichnendes Element des Tomson Bocks sind die in den hoch gezogenen Stützpfeilern gelagerten Seil scheiben Der Tomson Bock wurde ins besondere im Ruhrbergbau genutzt zu seiner Blütezeit gab es mehr als 100 die ser Fördergerüste Der einzige noch er haltene Tomson Bock befindet sich heu te auf dem Gelände der früheren Zeche Gneisenau Die Entwicklung schritt weiter vom Hammerkopfturm bei dem sich die Fördermaschine im charakteristisch überragenden Kopf des Turms befindet bis zum Doppelbock Letzterer ist zum Erkennungsmerkmal des Steinkohlen bergbaus schlechthin geworden denn der zentrale Schacht 12 des UNESCO Welterbes Zeche Zollverein ist ein solches Doppelbock Fördergerüst Die ehemals größte Steinkohlenzeche der Welt und größte Zentralkokerei Europas ist das Wahrzeichen des Ruhrgebiets auch wenn die Umbauarbeiten anfangs Kritik von Fachleuten provozierten Dennoch Jeden Tag besuchen Men schen das Gelände und halten die Erin nerung so lebendig Sascha Schrader

Vorschau IG BCE Kompakt 4/2018 Seite 48
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